DIE BAUHERRSCHAFT


Der Bergeller Zollbeamte Agostino Garbald (1829–1909), ursprünglich aus dem Prättigau stammend, hatte seine künftige Frau Johanna Gredig (1840–1935) aus Zuoz in deren Elternhaus kennen gelernt, wo er im September 1860 während seines Militärdienstes stationiert gewesen war.


Bereits ein Jahr nach der Eheschliessung (1862) erteilte das Paar dem renommierten Baumeister Gottfried Semper (1803–1879) den Auftrag für den Entwurf ihres Hauses in Castasegna.


Agostino Garbald und seine Frau Johanna führten ein Leben humanistischen Zuschnitts. Er richtete eine meteorologische Station ein, betrieb botanische Studien, war Imker, gründete einen Gemeinnützigen Verein und war Mitglied des Kreisschulrates sowie der Naturforschenden Gesellschaft der Schweiz. Seine Gattin Johanna erlangte unter dem Pseudonym Silvia Andrea als Schriftstellerin nationale Bekanntheit. Beide führten sie ein Leben abseits tradierter Rollenaufteilung zugunsten einer gleichberechtigten Partnerschaft.


Andrea, der erste Sohn, kam 1877 zur Welt, 1880 die Tochter Margherita und 1881 Augusto. Letzterer kam 1931 in Brasilien ums Leben. Andrea wurde Fotograf und eröffnete 1899 in seinem Heimatdorf Castasegna ein eigenes Fotostudio und Optikergeschäft. Die Schwester führte eine kunstgewerbliche Werkstatt und assistierte ihrem Bruder im Fotolabor.


Alle drei heirateten nicht und blieben kinderlos. Andrea und Margherita waren es, die den Familien-Nachlass 1955 in eine Stiftung überführten.



Gottfried Semper im Bergell. Die Garbald-Saga, Du – die Zeitschrift der Kultur, 1999
"Das Märchen von Castasegna" - Ursula Bauer und Jürg Frischknecht (wanderweb)