DER GARTEN


Auf den ersten Blick erweist sich der Garten der Villa Garbald als unspektakulär. In Entsprechung zum italienischen Landhausstil der Baute entwarf Semper einen weitläufigen, von Reben überschatteten Laubengang sowie einen geometrisch gegliederten Garten. Doch war sich der Architekt, der nie vor Ort war, der Steilheit des Geländes wohl nicht bewusst, sodass die endgültige Gartengestaltung nach Fertigstellung des Baus von den Bewohnern realisiert wurde.


Durch einen Geländeabsatz im Terrain ergab sich eine natürliche Zweiteilung der Anlage: Der untere Teil, westlich der Villa liegend und mehrheitlich von Semper konzipiert, diente als Zier- und Lustgarten. An der westlichen Gartenmauer befand sich zudem ein hölzerner Belvedere, der, baufällig geworden, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgetragen wurde.


Der durch eine Stützmauer abgetrennte obere Garten im Rücken der Villa umfasste Obstbäume, Gemüsebeete sowie die Ökonomiegebäude. Als zeittypisches Renommierstück im Eingangsbereich des Grundstücks findet sich eine Tuffsteingrotte.


Mit der Gesamtsanierung der Villa Garbald von 2001–2004 erlebte auch der Garten eine Renaissance. Die mehrfach ausgezeichnete Landschaftsarchitektin und Gartenhistorikerin Jane Sarah Bihr-de Salis hat durch sanfte Renovation, Ergänzung und Neubepflanzung das Bestehende subtil weiter entwickelt und uminterpretiert.


Noch immer bestimmen Hortensien, Kamelien, Scheinzypressen, Stechpalmen, Efeu, Reben und Rosen das Ambiente; neu dazugekommen ist ein lockerer Bestand von Aprikosenbäumen. Und an der Stelle des ehemaligen Springbrunnens, der 1958 vom letzten Besitzer zerstört worden war, wurde wiederum ein rundes Wasserbecken als Blickfang eingelassen.


So präsentiert sich der Garten heute als einladender locus amœnus, wo sich Historisches und Zeitgenössisches zur glücklichen Symbiose vereinen. Im Schweizerischen Gartenjahr 2006 würdigte die Stiftung Pro Patria die aussergewöhnliche Anlage mit der 1-Franken-Briefmarke ihrer Serie «Historischen Gärten und Parkanlagen der Schweiz».




Villa Garbald – Architektur und Umgebungsgestaltung als Gesamtkunstwerk

Bericht Archäologischer Dienst Graubünden